Bei stärkerer Kurzsichtigkeit (typischerweise ab etwa −7 dpt oder mehr) sind Hornhaut-Lasereingriffe häufig nicht mehr geeignet. In diesen Fällen kann die Sehschärfe durch eine Linsenoperation deutlich verbessert werden. Grundsätzlich stehen zwei Verfahren zur Verfügung.
Behandlung hochgradiger Kurzsichtigkeit ohne Laser
Phake Kunstlinse (ICL)
Patientinnen und Patienten mit hochgradiger Kurzsichtigkeit sind gängige Laserverfahren wie LASIK oder SMILE oft nicht mehr geeignet. In solchen Fällen – typischerweise ab etwa −7 Dioptrien oder mehr – kann die Implantation einer phaken Kunstlinse in Betracht gezogen werden, meist in Form der ICL (implantierbare Collamer-Linse). Dabei wird zusätzlich zur körpereigenen Linse eine künstliche Linse ins Auge eingesetzt, ohne dass die natürliche Linse entfernt wird.
Prof. Findl verwendet dabei überwiegend die ICL, die hinter der Pupille und Iris positioniert wird. Die Linse besteht aus einem sehr dünnen, weichen Material und wird über einen kleinen Hornhautschnitt implantiert. Der Eingriff erfolgt ambulant in lokaler Betäubung.
Eine besondere Herausforderung ist die exakte Durchmesserberechnung der Linse, da diese individuell an die Anatomie des Auges angepasst werden muss. Vor der Operation werden daher mehrere hochpräzise Messungen mit zwei unterschiedlichen modernen Vorderabschnitt-OCT-Geräten durchgeführt. Mithilfe neuer, teils KI-gestützter Algorithmen kann die Linsengröße genauer bestimmt werden als mit dem herstellerbasierten Standardverfahren. Zusätzlich wird sorgfältig geprüft, ob die Anatomie des Auges für diese Operation geeignet ist – unter anderem durch Endothelzellfotografie, die ebenfalls in der Ordination von Prof. Findl durchgeführt wird.
Die ICL stellt insbesondere bei jüngeren Patientinnen und Patienten häufig die bevorzugte Alternative zum refraktiven Linsentausch dar, da die natürliche Linse erhalten bleibt. Welche Methode langfristig die sicherste und sinnvollste ist, wird nach kompletter Diagnostik individuell entschieden.
Refraktiver Linsentausch (Clear Lens Exchange / RLE)
Alternativ kann – ähnlich einer Kataraktoperation ohne Grauen Star – die natürliche Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt werden. Dadurch lässt sich die Fehlsichtigkeit in der Regel vollständig korrigieren.
Bei kurzsichtigen Augen besteht jedoch ein relevantes Risiko für eine Netzhautablösung. Entscheidend dafür ist der Zustand des Glaskörpers vor der Operation, wie eine von Prof. Findl geleitete internationale, ESCRS-geförderte Studie (MYOPRED-Multicenter-Studie) an über 500 Augen erstmals zeigen konnte: Besteht vor der Operation noch keine vollständige hintere Glaskörperabhebung, ist das Risiko einer Netzhautablösung nach einer solchen Linsenoperation etwa sechs- bis siebenfach erhöht.
Daher wird vor der Operation ein spezielles OCT durchgeführt, um den Zustand der Glaskörperabhebung genau zu beurteilen.
Häufige Fragen zu phaken Kunstlinsen (ICL)
Für wen ist eine phake Kunstlinse (ICL) geeignet?
Eine ICL kommt vor allem für Patientinnen und Patienten mit hochgradiger Kurzsichtigkeit in Frage, bei denen Laserbehandlungen wie LASIK oder SMILE nicht (mehr) möglich oder sinnvoll sind – typischerweise ab etwa −7 Dioptrien oder mehr. Ob eine ICL im individuellen Fall geeignet ist, wird von Prof. Findl nach genauer Untersuchung entschieden.
Was ist eine ICL (implantierbare Kontaktlinse)?
Die ICL ist eine phake Kunstlinse, die zusätzlich zur natürlichen Linse ins Auge eingesetzt wird. Die körpereigene Linse bleibt dabei vollständig erhalten. Die Linse wird von Prof. Findl hinter der Iris positioniert und ist von außen nicht sichtbar.
Wie läuft die ICL-Operation ab?
Der Eingriff erfolgt ambulant und in lokaler Betäubung. Die Linse wird über einen kleinen Hornhautschnitt eingesetzt. Die Operation dauert in der Regel nur kurze Zeit und ist für die meisten Patientinnen und Patienten gut verträglich.
Warum ist die genaue Berechnung der ICL so wichtig?
Die ICL muss in ihrem Durchmesser exakt zur individuellen Anatomie des Auges passen. Eine präzise Berechnung ist entscheidend für Sicherheit und Langzeitergebnis. Daher werden vor der Operation mehrere hochpräzise Messungen mit modernen Vorderabschnitt-OCT-Geräten durchgeführt. Prof. Findl verwendet dabei auch neue, teils KI-gestützte Algorithmen, die eine genauere Berechnung ermöglichen als das herstellerbasierte Standardverfahren.
Welche Untersuchungen sind vor einer ICL-Implantation notwendig?
Neben der OCT-Vermessung des Vorderabschnitts wird unter anderem eine Endothelzellfotografie durchgeführt. Damit wird geprüft, ob die Hornhaut für eine phake Kunstlinse geeignet ist. Diese Untersuchungen erfolgen in der Ordination von Prof. Findl.
Was sind die Vorteile eines refraktiven Linsentauschs (RLE)?
Dadurch kann auch eine hohe Fehlsichtigkeit meist vollständig korrigiert werden. Zudem kann gleichzeitig eine Altersweitsichtigkeit durch spezielle Kunstlinsen mitbehandelt werden. Prof. Findl berät individuell, welche Linsenart dafür am besten geeignet ist.
Welche Risiken bestehen beim refraktiven Linsentausch?
Bei kurzsichtigen Augen besteht ein erhöhtes Risiko für eine Netzhautablösung. Entscheidend ist dabei der Zustand des Glaskörpers: Liegt vor der Operation noch keine vollständige hintere Glaskörperabhebung vor, ist das Risiko erhöht. Prof. Findl beurteilt dies vor dem Eingriff mittels spezieller OCT-Untersuchung und prüft sorgfältig die individuelle Eignung.